Es wird gut, wenn man es tut

Stia ist ein ziemlich verschlafenes Städtchen. Es ist kaum etwas los. Ein paar Pilger sind da, die Strässchen wie leergefegt. Das ändert sich ab fünf Uhr ein wenig. Ein paar Geschäfte öffnen ihre Tore und ein paar Jugendliche haben ihren Plausch. Meine Unterkunft ist top – viel zu gut für einen, der am Pilgern ist. Deshalb kümmere ich mich um den nächsten Tag. Unterwegs habe ich einen Prospekt gefunden, mit einer Variante für die nächsten zwei Tage. Normalerweise geht man laut Pilgerführern über den Eremo di Camaldoli zum gleichnamigen Klosterdorf. Nun plane ich zum Rifugio Asqua zu pilgern und am nächsten Tag weiter nach Badia Prataglia über Camaldoli. Den Eremo lasse ich aus. Da war ich schon zweimal. Im Klosterdorf selbst aber noch nicht. Zudem bin ich gesundheitlich noch angeschlagen und möchte mir einen Tag Ruhe gönnen.

Pilgertreff beim Pizzakurier

Am Abend gehe ich noch etwas essen. Das gestaltet sich nicht so einfach, da fast alles geschlossen ist. Ausser dem edlen Ristorante des Hotels gibt es kaum Auswahl. Fündig werde ich in einem kleinen Pizzaladen, das mehr nach einem Pizzakurierdienst ausschaut und von einem nicht sehr italienisch ausschauenden, dunkelhäutigen Pizzaiolo geführt wird. Dabei treffe ich wieder auf das Paar von gestern. Später gesellen sich noch weitere Pilger aus diversen Ländern hinzu. Das Essen ist top – der Pizzaiolo versteht sein Handwerk – und die Stimmung ebenfalls. Aber schon bald ist der Gang zum Hotel angesagt. Wie gesagt, ich fühle mich noch geschwächt und möchte die Nachtruhe nutzen um mich auszukurieren.

Pilgern ohne Rucksack ist toll

Trotz des bequemen Bettes und der Stille in meinem Zimmer, schlafe ich wieder nicht gut und wache früh auf. Selten auf meinen Pilgerfahrten gönne ich mir ein Frühstück. Heute ist es im Preis inbegriffen. Der Käse am Buffet ist leider vergriffen, da waren meine Pilgerkollegen zeitiger unterwegs. So esse ich ein Brötchen mit Marmelade. Auf Salami und Schinken kann ich morgens getrost verzichten. Dann geht es los auf meinen kurzen, überschaubaren Pilgerweg. Vorbei an einigen Rucksäcken und Koffern an der Rezeption, die vom Pilgerservice abgeholt werden. Das sollte ich mir auch überlegen, denn mein Rucksack wiegt schwer auf meinen Schultern. Zuviel Technik hat leider Gewicht.

Tour GPS

Tolle Variante für Pilger

Die Pilgerroute heute ist wunderschön. Am Anfang geht es bergauf, was in dieser Region normal ist. Aber nichts schlimmes mit dabei. Zu Beginn würde ich trotzdem gerne umkehren und einen Ruhetag einstreuen. Aber ich habe mir eh eine lockere Variante für heute vorgenommen und möchte vorwärts kommen. Wenn ich bis nach Apulien pilgern möchte, sollte ich schon meinen inneren Schweinehund überwinden. Mit der Zeit komme ich besser in Fahrt und beginne den Weg zu geniessen. Es ist wie so oft im Leben, wenn man nicht mag und es trotzdem tut, wird es gut. Unterwegs treffe ich Pilger vom gestrigen gemeinsamen Abendessen und wir gehen kurze Zeit zusammen. Später trennen sich unsere Wege wieder. Am Schluss geht es durch einen wunderbaren Wald hinauf, bis ich zum heutigen Etappenziel dem Refugio Asqua komme, das einsam und verlassen in einer Waldlichtung liegt.

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