La Verna steckt voller Mystik

Heute steht mit dem Santuario La Verna einer der grossen Höhepunkte auf meiner Pilgerreise auf dem Programm. Der Weg dahin wird kein leichter sein. Den der Heilige Franz bevorzugte Standorte, wo er in Frieden Beten konnte und somit befindet sich der heilige Ort auf einem Berg. Deshalb bin ich schon früh auf dem Weg. Zuerst geht es mal ein paar hundert Höhenmeter hinauf auf einen Hügel, der mir einiges abverlangt. Am Vormittag pilgern ist für mich schwierig, da ich meine Betriebstemperatur erst am Nachmittag erreiche. So sind die ersten Kilometer kein Zuckerschlecken und ich quäle mich mehr oder minder den Berg hinauf.

In solchen Momenten kommen mir Gedanken wie etwa, wieso tue ich das, in den Sinn. Trotzdem ist es wiederum ein toller Pilgerpfad. Schon bald hole ich die ersten Pilger ein. Diese sind wesentlich langsamer unterwegs. Vielleicht sollte ich das Ganze zur Abwechslung einmal gemächlicher angehen.

Langsam aber heil ankommen

Auf dem Berg oben angekommen, geht es hinunter nach Frasinetta mit einer Kappelle und einer Kirche. Von hier aus geht es weiter steil bergab ins Tal. Das ist immer wieder eine Herausforderung für mich. Beim abwärts gehen sind immer alle schneller wie ich. Aber nicht das Tempo ist das Ziel, sondern heil ankommen. Danach geht es ein wenig talwärts auf einem Strässchen dahin. Den Umweg nach Biforco erspare ich mir. In diesem Dorf übernachten viele Pilger, damit sie nur einen kurzen Weg nach La Verna zu gehen haben. So komme ich zügig voran. Im Dörfchen vor dem Anstieg zum Heiligtum gibt es noch eine Bar, in die ich zukehre. Hier haben sich viele Pilger versammelt. Einige von ihnen schauen ziemlich geschafft aus. Zum Glück habe ich keinen Spiegel, in dem ich mich betrachten kann.

Hart ist der Weg

Über eine Furt geht es weiter zum finalen Schlussanstieg. Die ersten zwei Kilometer sind mörderisch. Der Schweiss rinnt, meine Lunge brennt. An diesem Tag sinkt der Puls selten unter 150 Schläge, aber auf diesem Stück zerreisst es mich fast. An einem Baum klebt ein Zettel, mit einer Werbung von einem Pilgerservice der Gepäcktransporte von Ort zu Ort anbietet. Wieso habe ich den nur nicht angerufen? Leider ist es jetzt zu spät dafür und ich leide weiter. Der Heilige Franz macht es seinen Pilgern wirklich nicht einfach, seinen Spuren zu folgen, schiesst es mir durch den Kopf.

Tour GPS

Nach etlichen Standversuchen – im Radsport würde man sagen Stehversuche oder noch besser, man fährt im Zickzack den Berg hinauf – hole ich zwei Pilger ein. Das Paar kenne ich bereits. Sie kommen aus Kanada und gehen bis nach Rom. Sehr sympathische Leute. Sie laden mich ein, ein wenig mit ihnen zu rasten. Das ist meine Rettung. So unterhalten wir uns über den Weg und Gott und die Welt. Danach geht es mir wesentlich besser. Das Schlimmste ist ebenfalls überstanden.

Der Berg steckt voller Mystik

Die letzten Kilometer führen durch einen Wald. Bereits zum dritten Mal gehe ich ihn hoch und fühle immer das Gleiche. Eine unglaubliche Energie und Mystik steckt in ihm. Dieses Gefühl kann ich nicht beschreiben und auch mit Fotos nicht festhalten. Liegt es an der Müdigkeit oder hat der Hl. Franz seine Finger im Spiel? Wer weiss, ich kann nur jedem empfehlen, diesen Weg einmal zu gehen um dann zu entscheiden, wie es sich für einen selbst anfühlt. Jedenfalls bin ich überwältigt und geniesse ergriffen die letzten Meter nach La Verna.

Info zu La Verna: Graf Orlando Catani von Chiusi schenkte Franziskus diesen Berg im Jahre 1213 als Rückzugsort zur Medidation. Die Franziskaner, aber auch die Kapuziner beispielsweise, legen heute noch viel Wert aufs Meditieren. Franziskus nutzte dieses Geschenk regelmässig und betete in der Felsumgebung des Sasso Spicco. Die Basilika Santa Maria degli Angeli geht ebenfalls auf ihn zurück, der ihn initierte. In der Kappelle der Stigmata soll Franziskus 1224 die Wundmale Jesu empfangen haben.

Mein Weg vor zwei Jahren

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