Warmduscher haben es nicht leicht im Leben

Caprese Michelangelo ist ein verschlafenes Dörfchen. Viel ist hier nicht los. Es gibt kaum Unterkünfte und auch Restaurants gibt es nur zwei. Das eine ist geschlossen, wie auch die Bar – Ruhetag lässt grüssen. Also wandere ich hinauf zum Duca di Michaelangelo und schreibe da meinen täglichen Pilgerbericht.

Dabei treffe ich wieder auf das deutsche Pärchen und wir essen noch gemeinsam zu Abend. Sehr gute Küche, toll für einen Feinschmecker wie mich. Es gibt in dieser Gegend eh kaum Lokale, die sich nicht aufs Kochen verstehen. Dann geht es zurück zur Unterkunft, die in Sachen Preis/Leistungsverhältnis sehr stark zu wünschen lässt. Eine Dusche für sechs Leute ist wenig. Vor allem ohne Duschkabine und Vorhang ausgestattet. Nach der ersten Duschrunde ist bereits das ganze Bad unter Wasser. Und in Sachen Warmwasser herrscht Notstand. Eiskalt kommt es aus der Brause und so entscheide ich mich für eine Katzenwäsche. Warmduscher habens wirklich nicht immer einfach im Leben.

Spass mit portugiesischen Girls

Am morgen hüpfe ich früh aus den Federn. Der Verkehr hat mich kaum schlafen lassen und auch meinen Pilgerfreunden aus Kanada sind ¨not really amused¨. Also brechen wir schon bald auf und machen uns auf den Weg nach Sansepolcro. Das ist mein zweiter Tag als Guide. Zu Beginn ist es wieder eine wunderschöne Tour. Zuerst geht es über die Hügel zum Lago di Montodoglio. Die Landschaft ist idylisch und würde jedem Liebesfilm am Sonntag Abend das i-Tüpfelchen geben.

Unterwegs treffen wir auf ein Grüppchen Pilgerinnen aus Portugal. Drei Girls die durch Italien wandern. Wir haben richtig denn Plausch zusammen, als sie erfahren, dass ich den Portugiesischen Jakobsweg im Frühjahr gepilgert bin. Die Girls sind jedoch ziemlich arm dran, ihre Wasservorräte neigen sich bereits jetzt zu Neige und unterwegs gibt es nichts – einfach gar nichts, keine Bar, keinen Brunnen sondern gegen Ende der Etappe nur noch Staub zu schlucken. Denn ab dem Lago wird es flach und wir pilgern einer endlos langen Sandpiste entlang. Immer gerade aus, an Tabakfeldern vorbei. Wenn einem ein Auto entgegen kommt, hat man den Staub noch minutenlang in der Nase. Aber auch solche Wegstrecken warten auf Pilger wie uns.

Alleine pilgern ist toll

Nach einer Rast in der Mitte der Etappe, habe ich mich von meinem Pilgergrüppchen abgesetzt. Am Anfang waren wir noch zu viert, dann stösst das deutsche Pärchen hinzu und ich überlasse ihnen die Leitung. Das ist auch kein Problem, denn hier ist alles toll beschildert und man muss wirklich Tomaten auf den Augen haben um den Weg zu verpassen. Einzig um unseren jungen deutschen Pilgerfreund schaut es schlecht aus. Er läuft zwar beherzt, aber das wird nichts mehr mit seinem Knöchel. Er entscheidet sich, nach dieser Etappe aufzugeben und mit dem Zug nach Assisi zu fahren. Das ist eine gute Entscheidung. Das weiss ich aus bitterer Erfahrung. Zum Schluss des Tages drücke ich aufs Tempo. Denn ich habe heute noch viel auf dem Programm. Ein Waschsalonbesuch steht bevor. Einmal schauen, was in den Flirtstuben Italiens alles los ist.

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