Kein Hochgefühl bei der Ankunft in Santiago

Die letzten zwei Pilgertage auf meinem Weg nach Santiago di Compostela sind schnell erzählt. Rund 46 Kilometer fehlen noch bis ans Ziel. Diese teile ich in zwei Etappen auf. Die erste ist wiederum mit 28 Kilometer ziemlich lang und bietet auch nicht wirklich fürs Auge viel. Am Abend mache ich halt in einem kleinen Strassendorf. Rund zehn Häuser, davon vier Bars, drei Hostels und direkt neben meiner Unterkunft ein Bordell, in dem es Nachts ziemlich hoch her geht. An Schlaf ist kaum zu denken. Ich fühle mich ziemlich leer. Mit

Gepäckservice wartet schon

Am Morgen erwache ich früh, die Sonne geht gerade auf. So gar nicht meine Zeit, aber man sollte immer wieder mal etwas neues wagen. Nach einem kurzen Tratsch mit Miguel, den Herbergsbetreuer und einem schnellen Kaffee, starte ich los. Vor der Herberge wartet bereits der Gepäckservice für Pilger, die gerne ohne Rucksack wandern. Auch das gibt es hier am Weg. Lieber in billigen Herbergen übernachten und sich dafür das Gepäck transportieren lassen. Aber gut, dies schafft auch Arbeitsplätze. Rund 35 Kilometer stehen als Arbeitspensum auf dem Programm. Erst nach Pontevedra

Glückssterne sind auf meiner Seite

Momentan stehen die Glückssterne auf meiner Seite. Gutes Wetter, gestern ein wunderbares Mittagsessen mit Fisch und einer leckeren Vorspeise und ein ziemlich ruhiges Zimmer direkt in der Altstadt. Darf man als Pilger noch mehr erwarten? Wahrscheinlich nicht. Trotzdem entscheiden oft solche kleine Glücksmomente über den inneren Frieden. So schlafe ich heute einmal so richtig aus und bin erst nach elf Uhr unterwegs Richtung Santiago. Es ist nicht mehr weit. Gegenüber gestern bin ich wieder viel aufmerksamer beim Pilgern. Die Leere ist von mir gewichen und ich nehme meine Umwelt besser

Bruchbude als Nachtquartier

Mein Zimmer ist eine bessere Rumpelkammer oder eher noch eine Bruchbude. Beim Reinkommen lege ich mein Handy auf den Tisch. Das ist ein Klapptisch, der an der Wand befestigt ist. Darunter steht ein Stuhl, den ziehe ich hervor. Es ertönt ein Knall und das Handy liegt am Boden. Der Tisch ist auf der einen Seite ausgehebelt und hängt nun herunter. Die Schraube wurde einfach in die Wand gedreht, ohne Dübel, ohne nichts. Das kann ja nicht halten. An den Falschen geraten Dann rufe ich die Rezeptionistin. Die ist sogleich hellwach

Gut geplant ist halb gewonnen

Der gestrige Tag war schön, der ganze Tag ein einziger Genuss. Am Abend geniesse ich noch ein Thunfischsalat mit Ei. Sehr gut. Als störend empfinde ich, dass in einem Restaurant – gehört zur Pilgerherberge – Öl und Essig in sehr kleinen Portionen in Plastikbeutelchen serviert wird. In der derzeigen Plastikdiskussion ein No Go für mich. Wieso kann man nicht einfach wie üblich Flaschen zur Seite stellen? Bauernbub schmiedet Pläne Nach dem Essen kümmere ich mich um meinen Plan dem Regen zu entgehen. Der Wetterbericht schaut alles andere als berauschend aus.

Mit dem Boot nach Galizien

Hubs the Pilgrim ist wirklich ein Langschläfer. Erst um kurz vor Zehn komme ich in die Gänge und erwache aus meinem Tiefschlaf. Jetzt muss ich mich sputen. Denn es geht mit dem Boot übers Meer nach Galizien. Von nun an bin ich auf dem spanischen Festland unterwegs. Hier werden auch die Uhren eine Stunde vorgestellt. Also bin ich sehr spät auf dem Camino. Von Caminha nach O Porto Mougas gilt es immerhin gute 25 Kilometer zu pilgern. Auf dem Fischerboot lerne ich ein paar Pilger kennen und wir laufen gemeinsam

Rambazamba und ein angeschlagener Pilger

In Viano do Castelo ist Rambazamba angesagt. Es tummeln sich Tausende in den engen Strässchen der Altstadt. Sie feiern ein mittelalterliches Fest. Hunderte Fressstände, ausgelassene Stimmung herrscht – die Stadt bebt. Für mich als Pilger zwar eine Abwechslung. Es ist mir aber zu laut und zu voll. Wenn man müde ist, ist die Energie zum feiern nicht mehr allzu gross. Anstatt in einem Restaurant Abend zu essen, gehe ich mit Manuel – den verletzten Pilger – kurz ins Getümmel und wir gönnen uns eine Crepes mit Käse und Schinken. Im

Ein Pfau und ein Pechvogel

Mein Vermieter bringt mich ins Dorf zurück, damit ich etwas essen kann. Zum hinpilgern ist es eine ziemlich weite Strecke. Zudem verspricht er mir, mich um zehn Uhr abends wieder abzuholen. Was er prompt auch einhaltet. Vielen Dank. Im Restaurant angekommen, bestelle ich mir Salat und Pizza. Mit dem Kellner habe ich ein paar Verständnisschwierigkeiten, die man mit Händen und Füssen beilegen könnte. Wie werde ich sie nur los Da mischt sich schon eine Frau im mittleren Alter ein und versucht zu helfen. Dann will sie sich an meinen Tisch

Topfit und gut gelaunt am Pilgerweg

Es ist einfach toll. Endlich kann ich mal richtig schlafen. Nichts stört meine süssen Träume. Am Morgen wache ich topfit auf. Zudem gehe ich nahrungstechnisch gesehen, gestärkt auf meine Pilgertour. Es ist erstaunlich, was Spaghetti Bolognese – die richtig lecker waren – und eine gute Mütze voll Schlaf, alles bewirken können. Zuerst gönne ich mir noch ein Frühstück mit einem Applepie bevor es losgeht. Mein Ziel heute heisst Marinhas. Der erste Teil führt mich noch am Atlantik entlang. Heute kann ich die Ausblicke auf das Meer wieder richtig geniessen. Nichts

Tolles Essen und keine Badesaison

Im Gegensatz zu Porto herrscht in Labruge tote Hose. Pilger hat es natürlich, aber sonst ist nichts los. Die Badesaison hat noch nicht begonnen. Wer legt sich bei 18 Grad schon freiwillig an den Strand, vor allem bei der kalten Brise. Irgendwie fröstle ich ständig. Die Atlantikküste ist nicht bekannt, für warmes Meereswasser, also ist auch im Wasser planschen eine eher kühle Angelegenheit. Den ganzen Tag sehe ich niemanden schwimmen. Nur Surfer hat es viele. Dafür ist der Wind natürlich ideal. Später am Abend gehe ich essen. Das Lokal Caruso