Gepäckservice wartet schon

Am Morgen erwache ich früh, die Sonne geht gerade auf. So gar nicht meine Zeit, aber man sollte immer wieder mal etwas neues wagen. Nach einem kurzen Tratsch mit Miguel, den Herbergsbetreuer und einem schnellen Kaffee, starte ich los. Vor der Herberge wartet bereits der Gepäckservice für Pilger, die gerne ohne Rucksack wandern. Auch das gibt es hier am Weg. Lieber in billigen Herbergen übernachten und sich dafür das Gepäck transportieren lassen. Aber gut, dies schafft auch Arbeitsplätze. Rund 35 Kilometer stehen als Arbeitspensum auf dem Programm. Erst nach Pontevedra und dann weiter nach Caldas de Reis.

Ziemlich frisch zum pilgern

Obwohl es noch ziemlich kalt ist, hat das frühmorgendliche Pilgern auch seine Sonnenseite. Die Luft ist klar und die Farben der Natur nehme ich viel intensiver auf. Zudem bin ich motiviert, denn ein letztes Mal auf meinem Pilgertrip nach Santiago di Compostela möchte ich es mir nochmals selbst beweisen. So pilgere ich vor mich hin und knipse meine Fotos. Schon bald hole ich einen Pilger ein. Ein Kölner, der vor sich hin wackelt und mir die Ohren mit seinem Kölscher Dialekt vollquatscht. Da ist nicht mehr von der morgendlichen Stille zu spüren. Er erzählt mir von seinen Wehwehchen und mehr. Interessiert mich eigentlich herzlich wenig. Glücklicherweise braucht er ein Frühstück und kehrt im ersten Cafe zu. Hier wollte ich auch einkehren. Das lasse ich mal lieber sein und gehe zügig weiter. Sonst kann ich mir zu guter Letzt noch schlimmere Dinge anhorchen.

Vorsicht vor Radpilger

Erst nach 15 Kilometer stoppe ich in Pontevedra und geh gemütlich Kaffee trinken. Noch rund zwanzig Kilometer stehen mir bevor. Bisher ist es ein wunderbarer Weg. Und auch der zweite Teil nach Caldas de Reis ist toll zu gehen. Studieren mag ich nicht und pilgere gedankenverloren vor mich hin. Nach und nach überhole ich mehrere Pilger. Mit einem Paar komme ich unterwegs ins Gespräch. Nette Leute aus England, die ausserdem noch einen Tipp für die Übernachtung in Santiago für mich bereit halten. Die Etappe ist lang und gegen Ende bin ich ziemlich müde.

Kurz vor Schluss überfährt mich fast eine Radpilgerin. Sie ist sehr schnell unterwegs und weiss nicht wie man klingelt, die Bremsen benutzt oder das Sprachorgan betätigt. Nur ein schneller Sprung zur Seite, verhindert einen Zusammenstoss. Jedenfalls flucht sie vor sich hin und zeigt mir einen Finger. Komischerweise berührt mich das Ganze nicht, früher wäre ich ausgerastet… Das Problem an den Radpilgern ist, dass einige von ihnen mit einem E-Bike unterwegs sind und nicht fahren können. Ein grosser Teil dieser Wahnsinnigen hätte schon lange keinen Führerschein mehr, wenn sie mit dem Auto so unterwegs wären. Bei manchen habe ich das Gefühl, dass sie meinen, auf einem Waldpfad Vortritt zu geniessen und sich diesen auch erkämpfen.

Golfpilgern ist eine Alternative

Jedenfalls bin ich nun entgültig wach und meistere die letzten Kilometer noch. Meine Pace ist ziemlich hoch und bis auf die kurze Pause, gönne ich mir nichts. Nach nicht mal sieben Stunden bin ich am Ziel in Caldas de Reis angelangt. Ziemlich ausgepumpt zwar und schmerzenden Füssen, aber zufrieden mit mir selbst. Nun sind es nur noch ein bisschen mehr als vierzig Kilometer nach Santiago. Und die werde ich problemlos meistern. Das macht mich froh, denn momentan bin ich übersatt von der Pilgerei und sehne mich nach einer Olma-Bratwurst, Salat und einer Runde Golf.

So schaut mein Plan für die nächste Zeit aus. Bevor ich auf meine Tour ging, habe ich mir ernsthaft überlegt, ob ich ein Eisen sieben mitnehmen soll, denn in Portugal bin ich des öfteren an schönen Golfplätzen vorbei gelaufen. Vielleicht schreibe ich meinen nächsten Blog übers Golfpilgern. Das wäre echt spannend!

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