Von Oliven und netten Signoras auf dem Pilgerweg

Verzeiht mir, dass ich mich erst heute wieder zu Wort melde. Denn ich habe mir gestern einen faulen Tag gegönnt. Das heisst, ich spüre meinen Fuss und will nichts riskieren. So kümmere ich mich um die Wäsche, schau mal in der Farmacia vorbei und zieh mir ein Fussballspiel und das Formel 1 – Rennen rein. Ziemlich langweiliger Tag. Aber es muss so sein. Ich möchte gesund nach Hause kommen. Das mit der Farmacia ist auch eine nette Geschichte. Solche spielen sich nur auf Pilgerwegen wie dem Via Francigena ab. Die Farmacia im Centro Storico von Aquapendente hat geschlossen. Also frage ich bei einer italienischen Signora nach. Die einzige, die am Sonntag geöffnet hat ist etwas ausserhalb des Ortes. Sie sagt, ich solle kurz warten und rennt davon. Zwei Minuten später kommt sie mit ihrem Fiat angerauscht und führt mich sicher zur Apotheke. Es sind übrigens nur 500 Meter gewesen. Sie meint noch, sie könne auf mich warten und wieder zurückbringen. Was ich dankend ablehne. Sehr nette Frau.

Waschen will gelernt sein

Am Abend davor hatte ich ein ähnliches Erlebnis. Ich ging in einen meiner geliebten Waschsalons. Dort angekommen sehe ich eine junge Frau mit ihrem Vater, die gerade ihre Großwäsche erledigen und frag sie wie man die Waschmaschine bedienen muss. Das mache ich immer so. Sie nimmt mir sogleich die Wäsche aus der Hand und erledigt für mich das Ganze. Rund dreissig Minuten dauert der Waschgang und obwohl sie mit ihrem Teil bereits fertig ist, lässt sie es sich nicht nehmen und bleibt bis meine Wäsche beendigt ist. Denn sie meint, sie müsse mir auch noch beibringen, wie man den Trockner bedient. Einfach nett. Indessen muss ihr Vater auf sie warten – der Arme.

Olivenöl ist Genuss pur

Am Morgen geht es dann weiter. Mein Fuss fühlt sich ein bisschen besser an. Ich werde es die nächsten Tage nicht übertreiben und kürzere Tagesrouten gehen. Es ist nicht mehr weit nach Rom. Also starte ich frohgelaunt meinen Weg zum Lago di Bolsena. Es ist fantastisch. Angenehm warm und die Sonne strahlt für mich vom Himmel. Nach dem harzigen Beginn, habe ich seit ein paar Tagen richtiges Wetterglück. Unterwegs treffe ich noch einen Olivenbauer, der mit der Kaltpressung seiner Oliven beschäftigt ist. Ich unterhalte mich ein wenig mit ihm. Unglaublich dieser Aufwand den die Leute hier damit betreiben. Er gibt mir auch noch ein wenig zu kosten. Einfach herrlich. So etwas ist bei uns nur schwer zu bekommen.

Pilgertratsch und Herzlichkeiten

Tour GPS

Es geht weiter nach San Lorenzo Nuovo, einem schmucken Dörfchen und dann auf die letzten Kilometer mit schönen Ausblicken auf den Lago. Unterwegs treffe ich noch die deutsche Pilgerin mit Hund und wir gehen gemeinsam die letzten Meter nach Bolsena. Hier trennen sich unsere Wege nach einem netten Tratsch wieder. Sie geht ins Hotel und ich zu den Suore SS. Sacramento und werde von zwei älteren Nonnen herzlichst begrüsst.

6 Kommentare zum Beitrag “Von Oliven und netten Signoras auf dem Pilgerweg”

  1. Lese mit Vergnügen Deinen Pilgerbericht!!!Noch guten Weg bis Rom!!Bernadette

    1. Vielen Dank Bernadette.

  2. Ich freue mich auch immer deinen Pilgerbericht zu lesen. Weiterhin viel Spaß und gute Gesundheit!

  3. Pause muss auch mal sein, passe weiterhin auf Deinen Fuß auf, und bis Rom noch einen guten Weg. Lg Barbara

    1. Danke Barbara. Bin eh schon bald wieder zu Hause.

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