Mit Frust am Jakobsweg unterwegs

Der Abend in Azambuja gestaltet sich schwierig. Ich habe seit zwei Tagen nichts gegessen und bin hungrig wie ein Wolf. Ausser ein paar Bars gibt es nichts. Und die haben nichts zu futtern ausser Chips. Das Problem ist, die Einheimischen bereiten sich auf ihr Dorffest vor. In den nächsten Tagen jagen sie Stiere durch ihr Städtchen. Das hat in dieser Region Traditon. Dabei wird der Stadtkern mit Gattern abgesperrt und jedes Viertel lässt einen Stier durch die Gassen streunen. Die Menschen stehen ausserhalb und hetzen die Tiere ein wenig herum. Die Stadtbewohner befinden sich bereits im Fieber und feiern schon mal ein wenig vor.

Auf der Suche nach Nahrung werde ich in einem Musikpub fündig. Ein kleiner Toast mit Käse haben sie im Angebot. Ob er gut ist, weiss ich nicht, denn im Moment würde ich alles essen. Gerne hätte ich noch einen zweiten. Da sie kein Brot mehr haben, bleibts bei dieser kargen Mahlzeit. So lege ich mich mit Frust in mein Bett.

Der Frust geht weiter

Am Morgen bin ich früh wach. An einem Gemüsestand kaufe ich mir ein Kilo Erdbeeren und esse sie in Windeseile auf. Sonntags in der Früh gibt es kein grosses Angebot. Der Magen ist wenigstens vorläufig gefüllt und ich gehe los. Es wird eine eintönige Etappe auf dem Jakobsweg. Kaum ein Richtungswechsel. Die 18 Kilometer erscheinen für mich wie ein Marathon. Viel Zeit um nachzudenken. Ich sinniere über mein Leben und verfalle in eine regelrechte Depression. Irgendetwas läuft schief in meinem Leben. Und ich bin selbst schuld. Man sollte egoistischer sein und einfach nehmen, was einen lockt. Und nicht immer Rücksicht nehmen, Verständnis aufbringen und an die Sorgen und Konsequenzen denken. Einfach nur auf sich schauen. Menschen die so denken, kommen meist besser durchs Leben. Auf jeden Fall fühle ich mich wie ein Mistkübel, der übervoll ist.

Ablenkung schadet nicht

Unterwegs überhole ich drei Pilger. Die halten ihren Blick gesenkt und grüssen nicht einmal. Entweder surfen sie auf meiner Welle oder ich strahle etwas morbides aus. Nach elf Kilometer entdecke ich eine Bar. Da kaufe ich ein Bier, mein erstes seit zwei Tagen. Kostet 85 Cent. Neben mir sitzen zwei Pilgerinnen und irgendwie kommen wir ins Gespräch. Ellen und Roswitha kommen aus der Schweiz und pilgern jedes Jahr zusammen. Für mich ist es toll, um meine schlechten Gedanken zu vertreiben.

GPS Tour

Danach gehe ich weiter, nicht mehr ganz so down. Aber sehr hungrig. Ein Dorf weiter entdecke ich ein Restaurant, das ich sogleich stürme. Ein Rindssteak, das muss es jetzt sein. Stattdessen kommt ein Stück Fleisch mit mehr Fett als anderes und Pommes mit viel Öl. Vom Fleisch kann ich nur ein Drittel essen. Der Rest wandert zurück in die Küche. Die Pommes esse ich auf, da diese zumindest viele Vitamine enthalten, die durch das viele Öl auch gut vom Körper verarbeitet werden können.

Perfekte Unterkunft gebucht

Später komme ich in meiner Herberge an. Das Essen hätte ich mir sparen sollen. Erstens wars mit 17 Euro für hiesige Verhältnisse teuer, zweitens nicht gut und drittens: Meine Vermieterin fragt mich, ob ich zu Abend essen möchte. Mit dem habe ich nicht gerechnet. Paula kocht hervorragend nur bin ich bereits gesättigt. Sie ist übrigens der Hammer, sie besitzt das Haus seit ein paar Jahren und hatte nie die Absicht eine Pension zu betreiben. Bis vor vier Jahren ein müder Pilger bei ihr anklopfte und um eine Bleibe bat. Seit diesem Zeitpunkt gewährt sie Pilgern ein Dach über dem Kopf. Schöne Zimmer zur Einzelnutzung, gutes Essen und Wäscheservice. Für zwanzig Euro notabene. Beim Abendessen treffe ich noch auf Vanessa und Pierre, mit denen ich noch einen netten Abend verbringe.

Guinta da Burra guesthouse

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