Durch Hagel und Regen nach La Verna

Gestern Abend habe ich richtig gut gegessen. Pappardelle con Cinghiale mit einem Salat. Danach schau ich mal wie das Wetter wird. Der Wetterbericht meldet trockene Verhältnisse bis gegen Abend, dann jedoch wiederum Regen. Also ab ins Bett und morgen halt ein wenig früher starten. So bin ich schon kurz vor neun abreisefertig. Der Himmel ist wolkenverhangen, die Strasse noch feucht von den Regengüssen in der Nacht. Also nichts wie los. Ich bin noch keinen Kilometer weit gepilgert, als geht es schon los. Es regnet, am Anfang wenig und dann immer stärker.

Ich bin verzweifelt, ich habe genug von der Nässe und Kälte und rufe in meiner Verzweiflung meine Frau an. Sie kann mir natürlich nicht weiter helfen, wie auch… An diesem Punkt muss ich nun etwas persönliches loswerden. Meine Partnerin unterstützt mich in allem was ich tue. Sie nimmt es in Kauf, wenn ich wochenlang unterwegs bin. Das ist sehr grosszügig von ihr und braucht auch viel Vertrauen. Ich schätze das sehr und bin dankbar, dass ich mein Projekt durchziehen darf.

Höllenritt zum spirituellen Höhepunkt

Jedenfalls entschliesse ich mich weiterzugehen. Schon bald schüttet es wie aus Kübeln und ich bin wieder mal richtig nass. Der Anstieg ist ziemlich heftig und ich rutsche im Schlamm herum. Aber der Herrgott meint es noch besser mit mir. Es fängt an zu hageln. Perfekt für meine Moral. Er will nur meine Pilgergeduld testen. Mittlerweile ist es eh schon wurst, nass bin ich, durchgefroren auch und umdrehen kann ich nicht mehr. Endlich hat er ein Einsehen mit mir und es hört auf zu regnen und die Sonne blinzelt zwischen den Wolken hervor. Als ich den ersten Berg geschafft habe, bin ich erstmals froh. Das waren schon mal 500 Hm bergauf und über 700 berab. Den ersten Teil mit Bravour geschafft.

Dann geht es weiter, das Wetter verschlechtert sich zunehmend und immer wieder spüre ich Regentropfen auf meiner Haut. Ich habe bis nach La Verna noch viele Höhenmeter vor mir. Schritt um Schritt kämpfe ich mich den heilgen Berg hoch, von der Mystik spüre ich heute wenig. Das war vor drei Jahren anders. Heute ist der Wald einfach dunkel und ich muss aufpassen, nicht auszurutschen. Endlich oben angekommen, schau ich mich ein wenig um. Es hat wenige Menschen oben. Wer geht schon dahin bei diesem Sauwetter. Leider habe ich nur wenig Zeit, denn das nächste Wetter ist bereits im Anzug und ich möchte nur noch unter die Dusche. So steige ich hinunter ins Dorf.

Tour: 22 Kilometer / 1100 Hm Aufwärts / 900 Hm abwärts

Hotel da Giovanna, / Chiusi della Verna, +39 0575 599275, Kosten 40 Euro mit Frühstück

La Verna – Franziskanische Pilgerstätte

Es gibt viele heilige franziskanische Stätten. La Verna ist eine der wichtigsten. Hier erhielt der heilige Franz seine Stigmata (1224) und zog sich hier öfters zurück. Der Graf von Chiusi schenkte 1213 diesen Berg Franziskus. So lebte er hier mit seinen Brüder in einfachen Hütten und Höhlen. Es gibt einiges zu sehen: Basilika (1509 – Bauzeit 160 J.), Stigmata-Kapelle, die Kapelle Santa Maria degli Angeli (1216/18) und noch einiges mehr. Dieser Ort ist sehr spirituell und ein Magnet für Gläubige.

2 Kommentare zum Beitrag “Durch Hagel und Regen nach La Verna”

  1. –das nennt man Herausforderung — hoffen für Dich, dass das Wetter bald besser wird.
    liebe gruesse aus Serfaus—

  2. Dankeschön. Morgen ist wieder Regen angesagt. Liebe Grüsse

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