Ostern feiern in Poggio Bustone

Heute habe ich für euch einen Bericht der anderen Art – verfasst von Pilgerin Renate, mit der ich ein paar Tage unterwegs sein durfte. Sie feierte die Ostertage in Poggio Bustone und besuchte auch Sacro Speco, das ich leider gesundheitsbedingt auslassen musste. (Hier nachzulesen).

Poggio Bustone

Viel Spass beim Lesen und herzlichen Dank an die Autorin.

 

Poggio Bustone – welch geheimnisvoller Name für eine der vier franziskanischen Einsiedeleien rund um Rieti. Neben Fonte Colombo, La Foresta und dem touristisch überlaufenem Eremo Greccio (jenem Ort, wo Franziskus 1223 die Weihnachtskrippe erstmals mit Personen darstellen ließ) ist dies ein sehr beschaulicher Ort. Von Rivotudri geht es auf dem Franziskusweg mit 200 Hm noch ganz schön bergauf. Mit schwerem Gepäck am Rücken, gepaart mit der Fata Morgana eines kühlen Blonden vor mir, wird es bei sommerlicher Hitze noch ein harter Anstieg zu diesem geschichtsträchtigen Ort.

Dorf schmiegt sich an den Berg

Das kleine Dorf mit rund 2200 Einwohnern, ursprünglich eine Einsiedelei der Benediktiner, welche Franziskus von den Einwohnern von Poggio Bustone geschenkt bekommen hat, schmiegt sich sanft an den Berg an und lässt einen nur noch Staunen. Enge Gässchen und labyrinthähnliche Aufgänge prägen den Aufstieg ins mittelalterliche Städtchen. Als Höhepunkt der heutigen Etappe kann man wohl den Sacro Speco (= eine Felsengrotte, wo Franziskus gerne hinaufwanderte, um auf das herrliche Rietital zu blicken) nennen. Ausgehend vom Ortsanfang (560 hm), bis zum Kloster (818 hm) gelangt man mit dem Aufstieg zu diesem spirituellen Ort auf 1150 hm. Von dort aus tätigte Franziskus auch den bekannten Gruß: „Buon giorno, buona gente” das heisst übersetzt: „Guten Tag, gute Leute”. Hier zog er sich gerne zurück um sich über die weitere Entwicklung seines jungen Ordens Gedanken zu machen.

Osterfest unter Freunden

Ich verbringe wegen des schlechten Wetters ein paar Tage im Dorf und genieße die Feierlichkeiten rund um Ostern. Dabei nehme ich die Gelegenheit wahr, die sehr offenen Einwohner kennen lernen zu dürfen. Die Osternachtsfeier in der Kirche San Giovanni de Baptissma beginnt um 22.30 Uhr und endet nach über zwei Stunden (!!) – einfach unglaublich! Danach wünscht man sich gegenseitig BUONA PASQUA ( Frohe Ostern), verzehrt gemeinsam süßen Striezel und Wein. Später verschwinde ich ins Land der Träume und schlafe dem nächsten Morgen entgegen.

Herzen eingefangen

Mit meiner Vorliebe zur Musik und zum Gesang, gelingt es mir am nächsten Tag die Herzen der Einwohner zu erreichen und werde zu einer Familienfeier eingeladen. Ich bin vollkommen fasziniert von der Gastfreundschaft und fühle mich sehr auf- und angenommen – die sprachlichen Barrieren sind kein Thema. Die gesellschaftlichen Formen und die dazugehörende lukullischen Genüsse versetzen mich in Staunen und werden mir zum Geschenk. Nach einem ausgiebigen Mahl und einem rauschenden Fest gehe ich spät abends in mein Zimmer, das ich im Haus dieser sehr gastfreundlichen Familie belege. Irgendwie ist dies alles so unwirklich und trotzdem wahr – ich verharre in tiefer Dankbarkeit, Freude und Demut!

Prozession zum Sacro Speco

Nach einer kurzen, aber herrlichen Nacht muss ich mich beeilen, wenn ich die Prozession auf den Sacro Speco mitmachen möchte – so bereite ich mir im Appartement noch einen starken Kaffee zu und geniesse ein paar süsse Biscotti. Schon bald höre ich die Musikkapelle – das Startzeichen. Es geht los, hinauf zum heiligen Stein, es herrscht Feststimmung. Schwere Holzkreuze und die Statue des Hl. Franziskus werden, unter immer wiederkehrenden gebetsmühlenartigen Sprechgesängen, auf den Berg geschleppt. Die Menschenmenge folgt betend hinterher – ein tolles Erlebnis – oben angelangt wird dann die Messe zelebriert.

Einladung zum Mittagessen

Inspiriert von diesem Erlebnis, diesem Gefühl und dem Spiritus stimme ich LAUDATE SI, O MI SIGNORE an, ein Lied, das viele kennen und die Menge stimmte lautstark mit ein!! – welch geniales, erfüllendes mit Leidenschaft geprägtes Ereignis. Schließe auch an diesem Tag wieder Kontakte mit den Einheimischen und werde prompt von einer Familie zum Mittagessen eingeladen – Ich bin einfach nur überwältigt!

Sonne erfüllt meine Seele

Trotz der Kälte und des Regenwetters, geht die Sonne tief im Süden meines Herzens auf.  Sehr viel Herzenswärme wird mir zuteil – eine kleine Auferstehung hat für mich stattgefunden! Ich verabschiede mich nach vier Tagen von diesen herzlichen Menschen und mache mich auf den Weg nach Rieti … ich denke Franziskus hat mit seinem damals getätigten Ausspruch – BUON GIORNO, BUONA GENTE – die Leute hier geprägt!

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