Pilgerblues – und Glück im Unglück

Ausblick Centro Storico

Heute möchte ich eine Etappe einsparen. Denn die ersten Kilometer geht es wieder auf dem gleichen Weg zurück, den ich gestern gegangen bin. Und danach folgt ein Abstieg von rund 400 Metern. Also denke ich mir, ich fahre erst mit dem Bus nach Portico di Romagna und geh von da aus weiter nach Premilcuore. Und schon habe ich einen Tag eingespart. Der Bus fährt kurz vor sieben Uhr und ich steh zeitig auf. Nicht wirklich meine Zeit, heute aber leider notwendig.

Alleine zu Hause

Ich habe die Rechnung aber ohne den Wirt gemacht. Alles ist verschlossen, der Garten umzäunt und ich habe keine Chance hinaus zu kommen. Ich rufe den Chef an, denn er wohnt nicht im Hotel. Ich bin heute sein einziger Gast gewesen. Bis er kommt ist mein Bus natürlich weg und der Nächste kommt in fünf Stunden. Ich könnte heulen vor Wut.

Warten mag ich nicht mehr und stell mich an die Strasse und halte den Daumen in den Wind. Wunder geschehen wirklich, es hält einer an und nimmt mich ein paar Kilometer weit mit. Ein wirklich netter Typ dieser Maurizio, der alles genau wissen möchte über die Pilgerei. Danach geh ich los, zuerst über die Hauptstrasse bis noch Portico und dann über den offiziellen Pilgerweg nach Premilcuore. Plötzlich merke ich, dass meine Kamera nicht mehr da ist. Ich stecke sie beim Gehen immer in die Seitentasche meines Rucksacks. Dabei muss sie während der Autofahrt rausgefallen sein. Shit… Also geh ich ohne weiter, ich kann es ja nicht mehr ändern. Später komme ich ziemlich frustriert nach 25 Kilometer (statt 11) und rund 800 Höhenmeter aufwärts in meiner Unterkunft an. Das Agriturismo Ribolla ist ein Pferdegestüt und schön einsam gelegen. Jedenfalls passt die Unterkunft für einen Pilger wie mich ausgezeichnet.

Manchmal holt einen das Glück ein

Dann geh ich mal schnell unter die Dusche und spüle mir den ganzen Dreck und vor allem den Frust vom Körper, als plötzlich jemand an der Türe klopft. Unglaublich aber wahr, Maurizio steht vor mir und überreicht mir meine Kamera. Ich bin nur noch baff und glücklich. Sehr viel Schwein gehabt. Heute hat der Heilige Antonius noch seine Hand im Spiel gehabt. Von nun an gebe ich mich aber in die Hände des Heiligen Franziskus.

Agroippoturistica Ca Ridolla / Kosten: Euro 25 ohne Mahlzeiten, sehr schön / mit Mahlzeiten 40 bis 50 Euro

Tour: 25 Km / 800 Hm aufwärts / 700 Hm abwärts

 

5 Kommentare zum Beitrag “Pilgerblues – und Glück im Unglück”

  1. Hallo Hubert!
    Habe mit Freude und Begeisterung deine Pilgerreise Online mit verfolgt deine Kommentare gelesen und die tollen Landschaftsfotos angeschaut. Werde natürlich auch weiterhin deinen Weg nach Rom am Bildschirm mitgehen und wünsche dir von Herzen, dass du deinen inneren Frieden findest.
    Liebe Grüße
    Irene Riml (Therapiegruppe Imst the best one)

  2. Danke. Ich komme wieder. Und die Gruppe ist wirklich gut. Schöne Grüsse an alle. Lg Hubs the pilgrim

  3. Danke Irene

  4. Hallo Hubs,
    Ich mußte auch schon mal öfters bei meinen Unterkünften “ausbrechen”, weil ich früher los wollte. Bei mir war es nicht die Kamera, sondern der Ausweis, den ich in der Rezeption vergass und der mir netterweise zu meiner nächsten Unterkunft nachgebracht wurde. Dies und vieles mehr sind Erlebnisse, die uns prägen und uns im nachhinein nur mehr ein Schmunzeln kosten.
    Ich wünsche Dir noch alles Gute auf deinem Weg, bleibe Gesund und schreibe weiterhin Deine Berichte.
    Christian

  5. Da geb ich dir recht. Wie gesagt Glück im Unglück. Aber es ist toll, dass man diese Erfahrungen machen darf und auch gute Menschen trifft. Liebe Grüsse Hubs

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