Nebelschwaden, Sonne und ein wenig Pilgerblues

Gestern hatte ich nochmals richtig Glück. Ausser mir war nur ein weiterer Pilger in der Herberge und es gab genügend Zimmer, so dass ich alleine in einem Raum übernachten konnte. Es war zwar kein Highlight. Aber ganz ok. Jedenfalls kommt mein Mitbewohner aus Deutschland und geht von Rom aus nach Santiago. Da er mit Zelt und zwei Schlafsäcken und sonstigem Material pilgert, hat er ein Pilgerwägelchen mit dabei, das er hinter sich herzieht. Zudem natürlich noch einen Rucksack auf dem Buckel. Ich gehe mal davon aus, dass er ziemlich viel mit sich herumschleppt. Gaskocher natürlich inklusive. Das finde ich ein bisschen extrem. Aber im Winter braucht man mehr Ausrüstung. Weil in Spanien wird ihn auch Schnee erwarten. Zudem kann er fast nur auf gut ausgebauten Wegen gehen. Das heisst sehr viel Asphalt. Aber jedem das seine.

Gut gespeist und genächtigt

Ponte d’Arbia ist ein verschlafenes Nest. Es hat aber ein nettes Lokal, in dem ich mir so richtig scharfe Spaghetti aglio, olio e peperoncini gönne. Natürlich mit viel Parmiggiano. Dazu noch ein vitaminreicher Salat. Kostet mich nur zehn Euro zusammen mit einem Getränk. Ein richtig guter Pilgerpreis. Ansonsten läuft nicht mehr viel und ich geh früh schlafen. Am Morgen bin ich schon früh wach – was heisst schon früh – um halb neun. Meinen  Pilgerkollegen sehe ich nicht mehr, den habe ich um halb sieben losgehen gehört. Erstmal schau ich aus dem Fenster. Dicke Nebelschwaden überziehen das Land. Schön anzuschauen. Also geh ich los. Heute sind rund 28 Kilometer auf dem Programm. Es geht bis nach San Quirico d’Orcia. Auf dem Weg dahin hätte ich die Möglichkeit einen grösseren Umweg in Kauf zu nehmen und nach Montalcino zu pilgern. Aber ich bin ja zum Fusspilgern hier und nicht als Pellegrino di Vino. Obwohl so ein Brunello ja schon etwas sensationelles ist. Nicht gerade billig, aber wenn er nicht gepanscht ist und von einem guten Winzer kommt, einfach genial. Da fangen die Preise für gute Tropfen erst bei dreissig Euro an. Darunter bekommt man nichts G’scheites.

Leiden eines Pilgers

Obwohl ich heute einen wunderschönen Weg pilgern darf, bin ich trotzdem nicht frohgelaunt. Zuviele Gedanken kreisen in mir. Dazu spüre ich jede einzelne Muskelfaser und mein Fuss macht sich auch bemerkbar. Dazu noch ein leichter Schnupfen. Dabei ist es heute wirklich schön zu gehen. In der Früh die Nebelschwaden, später dann ausgiebig Sonnenschein, der meine Vitamin D3-Defizite ausgleichen sollte. Aber ich leide heute wirklich und bin froh, als ich nach knapp sechs Stunden endlich ankomme. Übernachten werde ich wieder in einem Ostello. Maria begrüsst mich herzlich und erklärt mir, dass ich alleine sein werde. Sie hoffe, es mache mir nichts aus…

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