Irgendein Weg führt immer nach Rom

Viterbo ist nicht meine Stadt. Irgendwie finde ich mich gar nicht zurecht. Es hat immer wieder mal eine Bar oder Ristorante, aber den wirklichen Kern der Stadt finde ich nicht. Also beschränke ich mich aufs Schreiben, was auch nicht einfach ist. Für das Uploaden der Bilder braucht man eine Internetverbindung und die ist ziemlich schlecht. Wenn man pro Pic zehn Minuten braucht, ist es nicht mehr so witzig. Dafür ist das Zimmer bei einer religiösen Einrichtung super. Einzelzimmer mit Dusche und sogar ein wenig geheizt für nur 21 Euro inklusive Kurtaxe.

Die Qual der Wahl

Am Morgen geht es um neun Uhr los. Ich weiss nicht so genau, wohin ich gehen soll. Die eine Möglichkeit nach Sutri zu kommen ist den offiziellen Weg in zwei Etappen von rund 20 Kilometer aufzuteilen. Die andere Variante, die früher zur Anwendung kam ist rund 13 Kilometer kürzer und führt über einen Berg. Und ich weiss nicht mal, wo ich genau hin muss. Also laufe ich einfach mal Richgung Rom. Irgendwann wird dann schon ein Hinweisschild kommen. Und schon bald sehe ich einen Wegweiser für die kürzere Variante und entscheide mich spontan diese zu nehmen, obwohl es keine Beschreibung im Führer gibt. Trotzdem finde ich mich gut zurecht, denn der Via Francigena ist besser markiert als im Führer angegeben. Nach rund acht Kilometer gibt es die ersten Schwierigkeiten. Ein grosses Stück wird gerodet. Die Pfeiler sind so ziemlich alle weg und der Wegweiser liegt am Boden. Ich verlasse mich auf mein Bauchgefühl, vertraue auf Gott und gehe links den Berg hinauf. Glück gehabt, nach rund einem Kilometer treffe ich wieder auf Wegzeichen.

Im Wald verlaufen

Danach geht es nochmals kräftig hoch. Irgendwann bin ich oben und es geht durch den Wald den Berg hinunter. Nicht ganz einfach. Denn der Pfad ist übersäht mit Blättern und man sieht die Steine und anderweitigen Stolperfallen nicht. Also bin ich ziemlich langsam am Weg. Irgendwann übersehe ich auch noch ein Wegzeichen und verlaufe mich. Wieder zurück, aber eben, einmal verlaufen, dann aber richtig. Deshalb schlage ich den direkten Weg ins Tal hinunter ein. Durch Dickicht kämpfe ich mich durch den Wald und stosse bald auf eine Wiese und danach auf ein Strässchen. Dieses zieht sich über viele Kilometer dahin. Endlos scheint mir der Weg und immer geradeaus. Zudem sind die Autofahrer ziemlich rücksichtslos. Einer fährt mich fast über den Haufen und ein LKW-Fahrer schneidet mir den Weg ab. Nur ein Sprung zur Seite rettet mich. Irgendwann komme ich, es ist schon ziemlich dunkel geworden, fix und fertig in Sutri an. Rund 32 Kilometer sind es schlussendlich – vier Kilometer mehr, als geplant. Mein GPS hat nach 27 Kilometer zudem mangels Saft den Geist aufgeben.

Tour GPS

 

Den Abend geniessen

Jetzt möchte ich nur noch den Abend geniessen. Gestern gab es nur ein Pannino di Salame und das Stück Geburtstagstorte. Und heute habe ich noch nicht mal einen Kaffee getrunken. Es wird Zeit wieder etwas vernünftiges zu essen. Meiner Frau habe ich die Rosen natürlich nicht nur als Foto geschickt, sondern habe sie ihr auch real geschickt. Vielen Dank für deine Hilfe Alexandra.

Da ich einen Blues habe, gibt’s noch eine Zugabe. Das wollte Ich eigentlich nicht teilen. Ich hoffe, es gefällt euch. Einfach wunderschön.

 

2 Kommentare zum Beitrag “Irgendein Weg führt immer nach Rom”

  1. Wunderschön! Und Zeit, dir mal zu schreiben, dass ich dich jeden Tag “verfolge”. Viele Erinnerungen werden durch deine Berichte und Fotos wieder wach. Danke dafür!
    Nicht mehr lange, und du läufst in Rom ein, wie schön. Aber auch ich hatte auf der VF solche Pilger-Blues-Abende – das gehört vielleicht dazu.
    Ich schick dir viele Grüße nach Sutri und ich bewundere dich dafür, dass du die 32km-Abkürzung geschafft hast. Ich hab sie mir nicht zugetraut.
    Buon cammino & tanti saluti

    1. Vielen Dank. Ich hab deine Seite angeschaut. Gefällt mir auf die Schnelle sehr gut. Werde wenn ich zuhause bin, mehr davon lesen. Hab den Bericht vom Tod deiner Oma gelesen. Hat mich berührt. Liebe Grüsse Hubs

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