„Up and Downs“ sind treue Gefährten

Anmerkung: Dieser Pilgerbericht stammt von Raphaela Maria Lüthi aus Winterthur. Sie ist begeisterte Pilgerin und erzählt uns hier von ihren Erfahrungen auf dem Camino Frances. Es folgen noch weitere Berichte. Viel Spass beim Lesen. 

  •  Von Raphaela Maria Lüthi

Heute bin ich schon früh wach. Leider gibt es um 6:00 Uhr in der Pension kein Frühstück. So mache ich mich bereit und esse einen Müsliriegel zur Stärkung. Ohne Kaffee dafür mit Stirn- und Taschenlampe bewaffnet geht’s um 7:00 Uhr los. Sportliche 30 km liegen heute vor mir. In den dunklen Morgenstunden geht es erst einmal direkt durch den dichten Wald. Später führt mich ein wunderschöner Weg über Melide nach Arzua. Mittlerweile strahlt die Sonne vom Himmel herab. Obwohl es nicht viele Steigungen gibt, spüre ich ein gigantisches, innerliches „Up and Down“. Die Einsamkeit, die Natur und der Weg sind wahre Seelenreiniger. Da kommt bei mir schon das eine oder andere an die Oberfläche und möchte sich verabschieden oder losgelassen werden. Es ist eine wundervolle, wenn auch nicht ganz einfache Erfahrung.

Gutes Essen entschädigt für vieles

In Melide gönne ich mir heute eine lange Mittagspause. Hier gibt es den besten Pulpo von Galicien. Meine Füße schmerzen, das heißt meine Achillessehne hat sich wohl in den kalten Morgenstunden überzogen. Da ich früh losgepilgert bin nehme ich es heute gemütlich und so komme ich um 16:00 Uhr in Arzua an. Mein Hotel liegt außerhalb des Dorfes und so wird mein Weg noch etwas länger. Im Hotel bin ich der einzige Gast und die Wirtin kocht mir extra ein Abendessen. Wie gut doch Essen schmecken kann nach einem langen Pilgertag. Wunderbar! Natürlich mit einem Glas Wein dazu. Gute Nacht!

Gemeinsam pilgern ist auch toll

Die gestrigen 30 km haben mir körperlich und seelisch ganz schön zugesetzt und deshalb schlafe ich heute bis 8:00 Uhr. Beim Frühstück treffe ich auf eine, etwas ältere Pilgerin. Sie heißt Laureen und stammt aus Amerika. Sie ist auch auf dem Weg nach Santiago. Wir beschließen, den heutigen Tag zusammen zu laufen. Gegen 9:00 Uhr brechen wir auf. Da unsere Unterkunft außerhalb vom Dorf und direkt am Pilgerweg liegt, müssen wir keinen Umweg gehen. Dadurch sparen wir uns die zusätzlichen Kilometer von gestern.

Lebensfragen werden beantwortet

Laureen erzählt mir von ihrem Leben. Von ihrem verstorbenen Ehemann und damit auch dem Verlust ihrer großen Liebe. Für mich sind diese Begegnungen auf dem Camino, die sich einfach ergeben, immer sehr spannend. Sie tragen immer Hinweise für mich und meinen Lebensweg in sich. Ohne dass Laureen davon weiß, beantwortet sie mir so viele Fragen für mein eigenes Leben die mich beschäftigen.

Pilgerabend bleibt unvergesslich

Gegen 16 Uhr kommen wir in O Pedrouze an. Hier treffen wir auf zwei weitere Pilger, die ich schon vom Sehen und von der täglichen Überholspur her kenne. In einer Bar machen wir es uns alle zusammen gemütlich und trinken ausgiebig Wein und essen eine viel zu deftige Pizza dazu. Ein unvergesslicher und toller Abend geht damit zu Ende. Zum Glück habe ich nicht weit, denn meine Pension ist gleich ums Eck.

Anmerkung der Redaktion: Für Fans vom Jakobsweg gibt es auch Berichte über den portugiesischen Weg von Lissabon nach Santiago di Compostela.

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