Der Himmel öffnet seine Schleusen

Regen Nebel

Nach der wunderbaren Tour gestern, gönne ich mir am Abend einen Teller Spaghetti aglio, olio è peperoncino. Köstlich, die einfachsten Gerichte sind oft die Besten. Bereits während des Abendessens beginnt es zu regnen. Sturzflutartig kommt das Wasser runter. Es schüttet die ganze Nacht hindurch.

Bleiben oder Pilgern

Am Morgen denke ich als erstes, heute lasse ich die Pilgerei und schau wie das Wetter morgen wird. Die Damen möchten weiter. Ich finde das nicht unbedingt gut, denn heute wollten wir bis zum Monte Mauro im Sintriatal gehen. Über 700 Höhenmeter rauf und runter. Bei dieser Witterung ein kleines Wagnis.

Kurz nach zehn brechen wir auf. Ich verabschiede mich bald einmal und gehe mein Tempo. Zuerst flach und dann den Berg hoch. Der Weg wird immer schmaler und ist bald nur noch ein Pfad. Nachdem sich das Wetter für wenige Minuten beruhigt hat, öffnet Petrus nun wieder die Schleusen. Es wird immer morastiger und rutschiger. Das Wasser rinnt in Bächen runter und ich steh sprichwörtlich im Schlamm.

Ich bereue meine Entscheidung zutiefst, denn dies ist wirklich grenzwertig. Nach sieben Kilometer komme ich oben an. Glücklicherweise geht es nun über eine Schotterpiste und später an einem asphaltierten Strässchen entlang, hinab nach Borgo Rivola. Dabei pfeift mir ein kalter Wind um die Ohren und ich friere. Untern im Dörfchen angekommen, steuere ich die Bar an und trink erstmal einen Cappucchino und erkundige mich, ob es im Ort eine Möglichkeit zum übernachten gibt – natürlich Fehlanzeige.

Sicherheit geht vor

Ich überlege mir nun, was ich tun soll. Weitergehen nach Monte Mauro scheint mir ziemlich gewagt. Der folgende Teil ist noch schlimmer wie der vergangene. Vor drei Jahren wäre ich einfach durchgelaufen. Nach reiflicher Überlegung, entscheide ich mich für die sichere Variante und geh nach Riolo Terme, das ist der Landstrasse entlang knapp sieben Kilometer entfernt. Die Möglichkeit einer Busfahrt gibt es nicht, da am Sonntag in den meisten ländlichen Orten Fahrverbot für solche Vehikel gilt…

So pilgere ich der Landstrasse entlang weiter. Die Gegend ist toll. Rebberge, Obstgärten und grosse Kiwiplantagen wechseln sich ab. Endlich erreiche Riolo Terme. Total durchnässt, auch meine Schuh sind pflatschnass. Die Pilgerfreundinnen schreiben mir übrigens. Sie sind nicht weit gekommen, denn sie haben den Weg nicht gefunden und sind umgekehrt. Sie sind immer mutig unterwegs. Sie vertrauen auf Gott und seinen Adjütanten. Schon gestern ist ihnen ein Engel beigestanden und auch heute wiederholt sich das. Ein netter Mann greift sie auf und erklärt sich bereit, die Beiden ans heutige Etappenziel zu bringen – natürlich mit dem Auto.

Golfhotel Therme 39 Euro

Weglänge 19 Km

HM +380  / -430

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