Championsleague, Musik und Abschied nehmen

Nachdem ich mir ein Cut an der Nase zugezogen habe, treffe ich mich mit meinen Pilgerfreunden Vanessa und Pierre. Mittlerweile habe ich sie wieder eingeholt und die Freude ist gross. Wir verbringen einen tollen Abend zusammen, essen und trinken etwas, und danach ist Championsleague Finale angesagt. Wir sind natürlich Liliputaner und hoffen auf den Sieg. Das Match ist nicht grossartig, aber wir amüsieren uns. Danach geht es direkt ins Bett. Die Nachtruhe ist aber kurz, da schon am Morgen früh Whatsapp Nachrichten kommen. Später klopft jemand vehement an der Tür. Es ist Pierre. Er hat irgendwo seine Credenzial vom Jakobsweg verloren und macht einen verzweifelten Eindruck. Er besteht darauf, über bei mir nachzusehen. Für ihn sind die Stempel wichtig. Für mich nicht, ich weiss ja selber ziemlich genau wo ich bin und war.

Abschied nehmen schmerzt

So kann ich leider nicht ausschlafen. Es ist ja schon neun Uhr und ich packe meine wenigen Sachen ein und starte los. Eigentlich erwarte ich, dass meine zwei Mitpilger unterwegs sind und ich sie bald einholen werde. Dem ist nicht so, Vanessa beendet ihren Pilgerweg definitiv und reist nach Porto weiter um sich die Stadt anzuschauen und Pierre sucht einen neuen Pilgerpass und bleibt in Tomar. Das macht mich ein wenig traurig, denn die Chance die Beiden wiederzusehen sind sehr gering. Wir hatten eine gute Zeit zusammen, nicht nur der lustigen Art sondern auch wirklich tiefsinnige Gespräche gehabt. Abschied nehmen tut weh, aber auf dem Camino gehört dies dazu. Vielen Dank euch Beiden.

Schwitzen ohne Ende

Nun bin ich wieder auf mich allein gestellt. Es ist heiss, 35 Grad im Schatten und kein Lüftchen, das mich erfrischt. Das Ziel heisst Alvaiazere und ist rund 32 Kilometer entfernt. Ein langer harter Weg, sehr schön, erst am Fluss entlang und danach die Hügel hoch. Ein paar Aufstiege sind knackig und verlangen mir einiges ab. Unterwegs mache ich einen Abstecher in ein Dörfchen und sehe eine Bar. Nichts wie hin und dort meinen Durst stillen. Den mein Wasserprofiant hat mittlerweile fast Siedetemperaturen angenommen. Und es ist kein Quellwasser aus den Bergen, sondern ein wenig gechlort und riecht ein wenig streng.

Eingeladen zum Essen

Leider ist es keine Bar, sondern ein Vereinshaus, in dem gerade ein Dorffest gefeiert wird. Ich werde sofort in die Mitte genommen und alle wollen wissen, woher ich komme, wohin ich gehe und vor allem, ob ich was essen und trinken wolle. Antwort gebe ich keine, so schnell bin ich nicht und da steht schon alles vor mir. Suppe, gegrillte Sardinen und etwas zum trinken. Die Portugiesen sind sehr gastfreundlich und bemühen sich sehr um mich. Fisch esse ich selten, aber dieser ist einfach köstlich.

Tour GPS

Gesund ankommen ist alles

Danach gehe ich weiter, inklusive vieler Tipps, wo ich zu gehen habe und ein paar Bussis. Keine Ahnung, mit was ich das verdient habe. Das Essen bereue ich ziemlich schnell. Es geht ziemlich steil den Berg hoch. Mit vollem Magen pilgere ich nie und ich leide vor mich hin. Nach den langen Etappen und der Hitze fühle ich mich angeschlagen. Rund zehn Kilometer später (KM 24) sehe ich eine Bar und hole mir eine Cola Light. Es ist nur noch schwül und heiss. Rund acht Kilometer habe ich noch vor mir. Auf der Terrasse treffe ich auf einige Leute, die sprechen auch Deutsch. Ein Portugiese, ein Deutscher und ein Belgier. Sie spielen Gitarre zusammen und meinen sie bringen mich später zu meiner Unterkunft. Alles kein Problem. Ich bin dankbar, denn ich bin wirklich ziemlich fertig. Bis sie aufbrechen, dauert es lange. Rund drei Stunden und dann noch einen kleinen Umweg inbegriffen. Am Ende des Tages bin ich froh, gesund angekommen zu sein. Aber auch meinen Musikern ein herzliches Dankeschön.

5 Kommentare zum Beitrag “Championsleague, Musik und Abschied nehmen”

  1. Langsam kommst du ins Pilgerfieber und „wirkst“ entspannter, soweit man das durch deinen Schreibstil beurteilen kann. Freu mich schon auf den morgigen Bericht 🙂

  2. Danke schön. Pilgern heisst auch die Seele reinigen. Nicht jeder Tag ist toll.

  3. Das stimmt. Wenn alles weh tut, der Rucksack plötzlich schwerer wirkt, die Sonne brennt und die Blasen sich bemerkbar machen, fragt man sich schon, warum man sich das Alles antut. Und dann wird man spontan zu einem Essen eingeladen oder bekommt ein Bier von einem völlig fremden Portugiesen spendiert. So etwas erlebst du nur auf dem Camino.

    1. Es war toll

  4. I am Enjoying your days highs and lows Hubs.

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