Via Francigena

Ein Tag in meinem eigenen Flow

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7. November 2018

Mein Hotel ist einsame Spitze. Als ich das Zimmer beziehe, wasche ich erst mal meine Keider. Zwanzig Stunden später sind sie immer noch feucht. So könnt ihr euch vorstellen, wie warm und vor allem wie feucht dieses Loch ist. Zudem bekomme ich langsam einen ausgeprägten Schnupfen, keinen Männerschnupfen, sondern einen richtigen. Leider ist mein Aufenthalt in Siena ziemlich verregnet und so kann ich nicht meinen Lieblingsplatz auf dem Piazza del Campo einnehmen. Was solls, das werde ich ein anderes Mal nachholen.

Tour GPS

Sonniger Start in den Tag

Am Morgen bin ich schon früh auf und starte bereits kurz vor neun Uhr auf meinem Camino. Die Via Francigena führt mich heute nach Ponte d Arbia. Knapp 27 Kilometer darf ich heute pilgern. Am Morgen scheint die Sonne und es ist richtig angenehm warm. So pilgere ich durch wunderschöne Landschaften. Einfach toll. Langsam komme ich wieder in meinen Flow. Das ist richtig lässig. Da fällt alles von einem ab, alle Sorgen und negativen Gedanken. Man will einfach nur noch laufen, immer weiter. Leider muss ich dabei aufpassen, denn vierzig Kilometer sind mit meiner Vorgeschichte leider nicht mehr möglich. Trotzdem geniesse ich den Tag. Mein treuester Begleiter, dem ich für kurze zeit entfliehen konnte, holt mich zur Mittagszeit wieder ein. Dunkle Wolken ziehen auf und schon regnet es in Strömen. Aber daran kann man sich auch gewöhnen. Mittlerweile ist es mir einfach wurst.

Gedanken kreisen lassen

Wenn man ein paar Stunden alleine in dieser tollen Umgebung unterwegs ist, kann man seine Gedanken so richtig kreisen lassen. Das lasse ich heute aber bleiben und pfeife den grössten Teil des Weges vor mich hin. Ich fühle mich richtig frei. Später, kurz vor dem Ziel, treffe ich noch meine Pilgerfreundin Margrethe. Wir laufen ein wenig zusammen und machen noch ein gemeinsames Selfie. Kurz darauf komme ich am Zielort an. Der Hospitalero sagt mir am Telefon, dass der Schlüssel unter der Matte liegt. Leider nein, ich suche vergeblich. So heisst es warten, er will um halb sechs hier sein. Also neunzig Minuten warten. Ich habe nicht mal geflucht. Es ist mir einfach nur egal. So demütig kann man beim Pilgern werden.

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